Blog Iranreise Oktober 2018

Die Schönen Künste

Sonntag, 14. Oktober: Kunst auf hohem Niveau – Traditionelle  Musik, Tuchdruck und Miniaturmalereien

Sogar der Eröffnung einer Kaligraphie-Ausstellung dürfen wir beiwohnen! (natürlich findet die Eröffnung nicht per Zufall am heutigen Tag statt, Alexandra hat das mit den Verantwortlichen extra so arragiert!) Der Schreibmeister der Kunstschule (ausnahmsweise ein Mullah) führt uns ein in die Kunst der Kalligraphie, erklärt uns den Aufbau seiner Ausstellung und schreibt uns sogar etwas vor. Es ist schon faszinierend zuzuschauen, wie so ein Kunstwerk entsteht!

Wir besuchen auch eine Musikklasse in dieser Kunstschule für Jungen und lauschen dem Klang einer Geige und einer wunderschönen Männerstimme.

Im Museum dieser Schule sind die besten Abschlussarbeiten (es sind sehr viele!) der 17 bis 19-jährigen Absolventen ausgestellt. Wir können nicht mehr aufhören zu staunen ob dieser Perfektion und Präzision der Gemälde, Miniaturen, Kaligraphien und Holzarbeiten. Und wir realisieren langsam das Niveau der Schüler hier – mit 18 haben sie ungefähr das Niveau eines Schweizer Bachelorabsolventen einer Kunsthochschule erreicht! Wahnsinn! Auf der anderen Seite stehen diesem Können allerdings schwache Englischkenntnisse gegenüber. Das kommt davon, wenn man täglich acht bis zehn Stunden übt ;) Aber gottseidank übersetzt Alexandra fortlaufend...

Nach einem weiteren extra für uns organisierten Konzert mit typisch persischen Instrumenten und der obligaten Beschenkung mit Süssigkeiten, geht es weiter ins Christenviertel von Esfahan. In der Safawidenzeit (ab 16. Jh.) werden Armenier als Machtsicherungsmassnahme nach Esfahan umgesiedelt, um die intellektuelle Elite nahe bei sich zu wissen. Sie dürfen etwas ausserhalb der Stadt in einem eigenen Viertel leben. Ihnen wurde die Vang-Kathedrale zugestanden, die von aussen eher an eine schlichte Moschee erinnert, sie sollte ja ins Stadtbild passen... Innen erkennen wir allerdings durch die reichen Verzierungen und prunkvollen Malereien die christliche Ausrichtung dieses Gotteshaus. Auch heutzutage gelten für Christen etwas andere Regeln als für Muslime, beispielsweise dürfen sie Alkohol produzieren und selber konsumieren.

Kurz darauf besuchen wir daneben noch ein feines Museum mit den kleinsten Schriften Gottes und weiteren Sammlungen. Ein Koranvers wurde sogar auf ein Menschenhaar eingraviert! Ein Denkmal erinnert an den grausamen Genozid an den Armeniern anfangs des 20. Jahrhunderts. Nach einer kleinen Stärkung im Café fährt uns Ali endlich zu diesen wunderschönen Brücken der Stadt. Man merkt sofort, dass dies ein beliebter Treffpunkt der Stadt ist (junge Pärchen verabreden sich zum Beispiel um halb Acht bei der Brücke, auch vor 25 Jahren schon...;)) Trotzdem fühlt es sich komisch an, auf der Khaju-Brücke das leere, ausgedörrte Flussbett zu überqueren. Dieses ist meistens ausgetrocknet, der Regen ist rar und nur im Frühling, wenn der Schnee im Zagros-Gebirge schmilzt, wird der lebensspendende Fluss Zayandeh Rud seinem Namen gerecht. Deshalb laufen wir dann auch nicht auf sondern neben der Si-o-se-Brücke auf der rissigen Erde wieder zurück und treffen genau bei Sonnenuntergang beim Meydanplatz ein.

Es handelt sich dabei um den zweitgrössten Platz der Welt. Er wird von zwei Moscheen, der Hohen Pforte und dem Bazaar umrahmt. Die Hohe Pforte war der Palast, von dem der Herrscher Polospiele auf dem Platz schauen konnte. Uns fasziniert der traditionelle Tuchdruck und wir erkennen das Tropfenmuster der Glarnertüechli wieder - eigentlich ein traditionelles, persisches Muster!
Ganz abgelenkt von diesem schönen Platz werden wir von einer platzregenartigen Himmelsdusche überrascht und flüchten auf dem Weg zum Bus in einen Teppichladen. 

Nach einem Abstecher ins falsche Restaurant (jetzt sind wir noch nasser...;-)) geniessen wir ein wirklich köstliches Fesenjan, das persische Hochzeitsessen. Eine geschmackliche Explosion von Granatapfel und Walnüssen vereint in einem Eintopf. Unsere fantastische Reiseleitung bemüht sich sehr, damit wir immer unglaublich lecker verköstigt werden.

Mit vollem Bauch und nach einem weiteren Abstecher ins falsche Wohnhaus:-) finden wir uns in einem mit Teppichen ausgelegten Raum wieder. Darin steht ein schlichter, moderner Schreibtisch, ein Sofa und and der Wand hängen wunderschöne Miniaturen; wir besuchen dank Alexandras unzähligen Kontakten den berühmten Miniaturist Mostafa Fotovat. Er führt uns ein in die Kunst des Miniaturmalens, auf Kamelknochen wird mit einem (!) Katzenhaar gemalt, und lässt uns staunen über die kunstvollen Werke seiner selbst und seiner Schüler. 

Mit vielen Eindrücken von diesem von Kunst durchzogenen Tag legen wir uns müde zur Ruh.

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